Meinung

SPIEL Essen wächst – aber nicht für alle

Die SPIEL Essen 2026 meldet neue Rekordzahlen: acht Hallen, 81.200 Quadratmeter und Platz für bis zu 230.000 Menschen. Während die Messe räumlich wächst, bleiben wichtige Fragen zu Inklusion, Rücksichtnahme und internationaler Vielfalt jedoch offen.

Vom 22. bis 25. Oktober 2026 werden 921 Aussteller aus 53 Ländern und mehr als 1.500 Brettspielneuheiten in Essen erwartet. Erstmals nutzt die Messe alle acht Hallen des Geländes.

Mehr Fläche und noch mehr mögliche Besucher*innen bedeuten allerdings auch mehr Lautstärke, Gedränge und Belastung. Gerade deshalb fällt auf, was in den Ankündigungen erneut fehlt: ein sichtbares Awareness-Team, klare Verhaltensregeln gegen Diskriminierung, ausreichend Rückzugsflächen und konkrete Verbesserungen für Menschen mit körperlichen, sensorischen oder anderen Einschränkungen.

Hier machen andere Events wie die BerlinCon oder GenCon vor, was möglich ist. Eine engere Zusammenarbeit, z.B. mit Institutionen wie Flinta*stisch oder The Guardian Angels wäre daher nicht nur wünschenswert, sondern ein starkes Signal für die weltweite Brettspielszene.

Wachstum allein macht noch keine inklusive Messe

Wer mit Reizüberflutung, eingeschränkter Mobilität oder anderen besonderen Bedürfnissen zur SPIEL kommt, braucht mehr als größere Hallenpläne und eine Indoor-Navigation. Ruhige Bereiche, gut erkennbare Anlaufstellen und geschultes Personal könnten dafür sorgen, dass sich tatsächlich mehr Menschen sicher und willkommen fühlen.

Auch der internationale Anspruch verdient einen kritischeren Blick. Die SPIEL bezeichnet sich als weltgrößte Publikumsmesse für Brettspiele und bringt Aussteller aus 53 Ländern zusammen. Trotzdem bleibt sie deutlich westlich geprägt. Eine sichtbare Beteiligung von Besucher*innen, Verlagen und Kulturschaffenden aus Afrika fehlt weiterhin weitgehend.

Das ist natürlich ein gesellschaftliches Problem, da man sich das Hobby „Brettspielen“ eben auch leisten können muss. So verkörpert die Spielszene nach Außen häufig ihr Narrativ, dass „jeder am Spieltisch willkommen sei“, in der Realität bleibt vieles, was im Brettspielhobby betrieben wird, wie die Sammelleidenschaft, Neuheitenjagd und Messekonsum eine Freizeitbeschäftigung für eher elitärere Zielgruppen. Sich „Spielend für Toleranz“ aufs T-Shirt zu drucken ersetzt leider nicht die Bemühungen die es wirklich braucht, um ein Safer Space für alle zu sein.

Ich wünsche mir z.B. Themenschwerpunkte mit Spielen, die nicht westlich-geprägt sind. Ich wünsche mir Sozial-Tickets, wie es z.B. auf Konzerten von den Ärzten möglich ist. Und ich wünsche mir, das deutlich mehr mit den Institutionen, die die Anliegen von Betroffenen vertreten gesprochen wird und deren Wünsche mit in die Messe einfließen können.

Und ich wünsche mir in der Kommunikation, dass das wichtigste Argument der SPIEL Essen nicht jedes Jahr die Rekordbesucherzahlen sind nur um zu legitimieren, dass die Messe erfolgreich ist. Spass am Spielen für alle sollte immer vor dem Konsum von Brettspielneuheiten stehen.

Nicht falsch verstehen: Ich freue mich, wenn die Messe und damit auch irgendwie das Hobby wächst. Noch mehr freue ich mich aber, wenn es eben auch durch Vielfalt wachsen kann und damit mehr Menschen den Zugang zu Brettspielen ermöglicht.